Sieben Säle, mehr als 740 Plätze. Der „Filmpalast am Hafen“, den Holger und Sandra Glandorf in Nienburg grade erst eröffnet hatten, als die Beschränkungen der Corona-Pandmie den Spielbetrieb von heute auf morgen eingestellt haben, ist beeindruckend. Das helle Entrée und ein sehr modernes, einladendes Ambiente mit etwas Kino-Nostalgie passen nicht so richtig zu der Leere, die das Kino im Moment ausstrahlt. Ich treffe mich dort mit Kinobetreiber Holger Glandorf und Projektentwickler Walter Meinders, um mir aus erster Hand die augenblickliche Situation schildern zu lassen, denn bisher sind in Niedersachsen die Kinos noch geschlossen.

Mit viel Energie hatten die Glandorfs hier im vergangenen Jahr ihren Traum vom neuen Kino verwirklicht, Bedenken zerstreut, Hürden genommen und sind ein hohes Risiko eingegangen, um sich ihren Traum von einem neuen, modernen Kino zu erfüllen und Nienburg ein Kino zu geben, dass es durchaus mit der Konkurrenz aus den nahen Großstädten aufnehmen kann.
Die Enttäuschung unserer heimatlichen Kinobetreiber war groß, als bekannt geworden ist, dass Niedersachsen und Bremen als einzige Bundesländer ihre Kinos noch nicht wieder öffnen lassen. Das war am Dienstag bei meinem Gespräch mit Beate Möller-Domschat und Elke Brümmer im Filmhof in Hoya zu sprühen und das merke ich auch bei meinem Besuch im Nienburger Kino.

„Das ist eine Katastrophe!“

Kinobetreiber Holger Glandorf


„Das ist eine Katastrophe!“ erklärt mir Holger Glandorf, denn die Filmverleiher geben die Filmstarts der neuen Filme erst frei, wenn alle Kinos wieder geöffnet haben. Für Juli erwartet der engagierte Kinobetreiber Disneys „Mulan“, der eigentlich am 26. März seine Deutschland -Premiere haben sollte. Ewig werde man nicht warten und irgendwann, so macht mir Glandorf klar, gehen diese wichtigen Filme dann eben an die Streaming Dienste, wie die jüngsten Entwicklungen bei „Trolls World Tour“ zeigen, den die Universal Studios statt wie erwartet im April in den Kinos nun über diese Dienste mit großem finanziellen Erfolg vermarkten. Knapp 100 Millionen Dollar hatte der Film am Video -on-Demand (VoD)-Markt innerhalb der ersten drei Wochen eingenommen. Für das Studio ein Mega-Erfolg, der in drei Wochen VoD-Markt dem Studio bereits mehr Geld eingebracht hat als Vorgänger „Trolls“ in fünf Monaten an den US-Kinokassen. Bei den VoD-Einnahmen können die Studios selbst 80 Prozent für sich verbuchen und müssen nur 20 Prozent an Amazon, iTunes und Co. abgeben.

Wir brauchen die Blockbuster, um die Menschen in die Kinos zu bekommen!“

Holger Glandorf


Für die Kino-Betreiber allerdings eine Katastrophe. „Wir brauchen diese Filme, um die Menschen in die Kinos zu bekommen!“ betont Glandorf. Natürlich gäbe es eine Gruppe Menschen, die sehr regelmäßig ins Kino gehen und darüber freut er sich sehr, denn zu den Stammgästen habe man als Kinobetreiber immer eine besondere Beziehung. Mit den Blockbustern kämen aber auch die anderen. Mancher würde dann schon im Vorspann zum Hauptfilm den einen oder anderen interessanten Film für den nächsten Besuch im Kino entdecken. „Nur 1,7 Mal geht man pro Jahr durchschnittlich ins Kino“ ergänzt Walter Meinders die Information. Meinders hatte den Bau des neuen Kinos eng begleitet und steht den Glandorf beratend zur Seite. “Über die Filme, auf die alle warten, bleiben wir in Kontakt mit diesen Kinobesuchern!“. Im Augenblick wartet die Welt gespannt auf die Premiere des neuen James Bond-Films, dessen Kinostart bereits weit nach hinten geschoben wurde.
Das Einhalten der Hygieneauflagen wäre in Nienburgs Kino kein Problem. In den großen Sälen könnten bis zu 80 Personen mit ausreichendem Abstand platziert werden und über die unter den Sitzen befindliche neue Lüftungsanlage wäre auch der Austausch der Luft geregelt.
Umso schwerer fällt es mir, Holger Glandorf erst den 22. Juni als möglichen Wiedereröffnungstermin in Aussicht stellen zu können. Immerhin, ursprünglich hatte man bis zum 29.Juni damit warten wollen.


Und als wäre all das noch nicht schlimm genug, trifft den Kinobetreiber in diesen Tagen noch ein weiterer Schlag, der an Dreistigkeit kaum zu überbieten ist- in Sulingen haben Unbekannte seine Leinwand des Autokinos gestohlen! Das ist besonders in der jetzigen Situation ausgesprochen schändlich und hoffentlich nicht der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringen wird.

Das Engagement von Holger Glandorf ist bewundernswert. Er sei ein Kinomann, der sich ein Leben ohne Kino nicht vorstellen kann.

Ich wünsche den Glandorfs alles Gute und werde ganz sicher in diesem Jahr deutlich öfter als 1,7 mal in die Kreis-Nienburger-Kinos gehen.

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