Informativer Besuch bei der Nienburger Koordinierungsstelle Frau+ Wirtschaft

NIENBURG. Das schon länger ausgesprochen Angebot eines Besuchs bei der Koordinierungsstelle Frau+ Wirtschaft in Nienburg nutze der heimische Landtagsabgeordneter Dr. Frank Schmädeke, um sich vor Ort in der gemütlichen Geschäftsstelle in Nienburg von Katrin Fedler und Catrina Lohmeyer über die Arbeit zu informieren. Die Koordinierungsstelle frau+wirtschaft begreift sich als Verbindung zwischen Wirtschaft, Arbeitsmarkt, Weiterbildungsträgern und im Landkreis lebenden Frauen. Sie wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Landes Niedersachsen im Programmgebiet „Stärker entwickelte Region“gefördert. An der Finanzierung der Nienburger Koordinierungsstelle sind auch der Landkreis und alle Kommunen beteiligt.

„Wir sind erste Anlaufstelle, wenn Frauen Beratung zum beruflichen Wiedereinstieg oder zu Fort- und Weiterbildungsangeboten brauchen!“ erklärt Katrin Fedler, zuständig für den Bereich Beratung und Coaching. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen Catrina Lohmeyer und Ajsche Al-Molla bietet sie darüber hinaus auch Angebote zur berufliche Neuorientierung, Qualifizierungsangebote für berufstätige Frauen und die spezielle Förderung von Migrantinnen auf ihrem Weg in die Berufstätigkeit. „Wir nehmen die Anliegen der Frauen ernst und unterstützen sie auf ihrem Weg!“

Einen ersten Blick konnte der Landtagsabgeordnete an diesem Tag, auf das noch nicht ganz fertige Programm der Koordinierungsstelle werfen. „Unser Programm 2020 wird demnächst erscheinen!“ freut sich Fedler. Man sei in diesem Jahr etwas später dran als gewöhnlich, der Grund dafür sei das zehnjährige Jubiläum der Einrichtung in diesem Jahr. Aus diesem Anlass haben noch einige Sonderveranstaltungen Einzug in das ohnehin sehr vielfältige Programm gefunden, das mit einer Auflage von 2500 Exemplaren erscheint.    

Ob sich die Unternehmen im Hinblick auf potenzielle zukünftige Mitarbeiter denn auch direkt an die Koordinierungsstelle wenden würden, möchte Schmädeke wissen? Man sei sehr gut vernetzt und habe die Arbeitsmarktsituation immer aktuell im Blick und ja, Unternehmen kommen auch aktiv auf die Koordinierungsstelle zu, wenn es darum geht, Stellen neu oder wieder zu besetzen, betont Katrin Fedler.

Jährlich nehmen etwa 200 Frauen mit ganz unterschiedlichen Vorqualifikationen an Beratungen und Seminaren teil. Einige Frauen seien auf Grund ihrer familiären Biographie noch ohne Abschluss und andere schon promovierte Wissenschaftlerinnen.

Durch die zusätzliche Schwerpunktbildung seien die verschiedenen Koordinierungsstellen in Niedersachsen unterschiedlich. Die Nienburger Kolleginnen arbeiten auch aktiv im Alleinerziehneden-Netzwerk in Hannover mit. „Dort gibt es zum Beispiel auch eine Koordinierungsstelle für Alleinerziehende“, ergänzt Catrina Lohmeyer. Deren Bedarfe sind anders als bei Frauen, die mit einem Partner zusammenleben. Dieses zeigt sich besonders dann, wenn es um die Sicherung der Kinderbetreuung geht, aber auch die Möglichkeit, sich Zeit für Fort-und Weiterbildungen zu nehmen.

Mit Blick auf die wirtschaftliche Situation in den Betrieben nebst Prozessoptimierung und dem Mangel an Kindertagesbetreuung zu flexiblen Zeiten kann Schmädeke das Problem erkennen. “Da ist keine Luft für Kinder-Notfallbetreuung“. Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen sieht er langfristig vor allem die Unterstützung der Frauen durch die Koordinierungsstelle sehr positiv. „Es ist gut, wenn jemand den Frauen zur Seite steht, davon profitieren auch unsere Betriebe“. Der Facharbeitermangel werde ein immer drängenderes Problem und es wäre nicht gut, wenn Arbeitsplätze zu besetzen sind, aber Frauen nicht die Möglichkeit bekommen, ihre Kompetenzen in der Wirtschaft einzusetzen. „Daran müssen wir weiter gemeinsam arbeiten!“

Mit Herzblut dabei, wenn es darum geht, Frauen den Weg in den Wiedereinstieg oder die Berufsneuorientierung zu ebnen- Katrin Fedler von der Koordinierungsstelle Frau+ Wirtschaft in Nienburg. (Foto.Büro Schmädeke)

Dass es die Koordinierungsstellen seit fast 30 Jahren gebe, aber deren Finanzierung immer noch nicht wirklich verstetigt wurde, ist ein Mangel, der bei diesem Gespräch auch thematisiert wurde.“ Wir sind doch längst kein Modellprojekt mehr,“ betont Fedler und wünscht sich, dass die finanzielle Ausstattung der Koordinierungsstellen längerfristig geregelt wird, auch, um die ganz verschiedenen Träger zu entlasten, die zum Teil sehr lange mit den Kosten in Vorleistung gehen müssen, bis endlich das längst bewilligte Geld abgerufen werden kann. „Da werden wir politisch mehr Verantwortung übernehmen müssen“, ist sich Frank Schmädeke sicher. „Grade in unserem ländlich strukturierten Raum brauchen wir qualifizierte Arbeitskräfte, um wettbewerbsfähig zu bleiben“. Dass sich in der Zukunft Familienfreundlichkeit für die Unternehmen auszahle, davon ist der Landtagsabgeordnete überzeugt- man werde die Unternehmen auch daran messen und im Zweifelsfalle vielleicht sogar ein geringeres Einkommen in Kauf nehmen, wenn dafür an alles gedacht ist. Auch daran, dass in Familien eben Kinder versorgt werden.

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