Wasser sichern – jetzt handeln!

23. Juli 2025

Künstliche Grundwasseranreicherung, Moorentwicklung und regionale Lösungen für die Wasserversorgung

Die Folgen des Klimawandels treffen auch Niedersachsen mit voller Wucht: Die Trockenjahre der vergangenen Zeit haben gezeigt, wie stark unsere Wasserressourcen unter Druck geraten. Besonders betroffen ist die Landwirtschaft, die auf eine verlässliche Beregnung angewiesen ist – gerade in den Sommermonaten.

Die Zahlen sind alarmierend: Laut dem niedersächsischen Wasserversorgungskonzept wird der Bedarf an Wasser für die landwirtschaftliche Feldberegnung bis zum Jahr 2050 um über 26 Prozent steigen. Gleichzeitig geht die Grundwasserneubildung deutlich zurück, viele Grundwasserkörper sind bereits heute übernutzt.

Vor diesem Hintergrund habe ich als Abgeordneter eine Kleine Anfrage an die Landesregierung gestellt (Drucksache 19/7382). Ziel war es, Klarheit darüber zu gewinnen, welche konkreten Maßnahmen die Landesregierung plant, um auf diese Entwicklung zu reagieren – insbesondere im Bereich der künstlichen Grundwasseranreicherung.

Ernüchternde Antwort: Kein Plan, kaum Fortschritt

Die Antwort der Landesregierung fällt ernüchternd aus. Zwar wird der steigende Wasserbedarf erkannt, doch es fehlt an konkreten Strategien und belastbaren Projektergebnissen. Lediglich drei Einzelfälle künstlicher Grundwasseranreicherung werden genannt – darunter Vorhaben in Braunschweig, im Landkreis Uelzen und in Kettelstorf. Ob diese erfolgreich sind, ist unklar. Eine wissenschaftlich fundierte Bewertung fehlt.

Auch zu der Frage, welche Potenziale in Niedersachsen durch künstliche Anreicherung oder Speicherbecken tatsächlich erschlossen werden können, bleibt die Landesregierung vage. Es wird auf „laufende Prüfungen“ verwiesen, Potenzialkarten sollen frühestens Ende 2025 veröffentlicht werden. Angesichts der dramatischen Entwicklung ist das aus meiner Sicht deutlich zu spät.

Zahlen sprechen eine klare Sprache

Die Anlagen zur Anfrage zeigen deutlich, wie dramatisch die Lage sich entwickelt. Schon heute liegt der Anteil der Feldberegnung an der gesamten Wasserentnahme in Niedersachsen bei 19,5 Prozent. In vielen Grundwasserkörpern wird bis 2050 ein Mehrbedarf von 40 bis über 100 Prozent prognostiziert – etwa in der Mittleren Weser-Region, im Raum Jeetzel oder an der Großen Aue.

Hier besteht akuter Handlungsbedarf, insbesondere in Regionen mit sandigen Böden und intensiver Landwirtschaft wie im Landkreis Nienburg oder Diepholz. Wer jetzt nicht in Lösungen investiert, riskiert in wenigen Jahren massive Nutzungskonflikte und Ertragseinbußen.

Positive Beispiele aus der Region – jetzt gezielt unterstützen

Was es braucht, sind intelligente, regional abgestimmte Wassermanagement-Systeme. Und genau hier gibt es in unserer Heimat bereits wichtige Ansätze, die Vorbildcharakter haben. Zwei Projekte möchte ich besonders hervorheben:

  • Das Flurbereinigungsverfahren Lichtenmoor
  • Das Flurbereinigungsverfahren Sulinger Moor

Beide Vorhaben zeigen, wie Landwirte, Kommunen, Wasserverbände und Verwaltung an einem Strang ziehen, um nachhaltige Strukturen für den Wasserrückhalt in der Fläche zu schaffen. Moorlandschaften wie diese sind natürliche Wasserspeicher – sie puffern Trockenperioden, wirken gegen Hochwasser und stabilisieren den Landschaftswasserhaushalt. Voraussetzung ist allerdings, dass ihre Regeneration aktiv unterstützt wird.

Dort, wo sich Beteiligte bereits auf den Weg gemacht haben und Einigkeit über die Ziele besteht, braucht es jetzt gezielte politische Förderung statt weiterer Verzögerung.

Weg vom schnellen Abfluss – hin zur intelligenten Rückhaltung

Lange Zeit war es in der Wasserwirtschaft das Ziel, Wasser möglichst schnell über Vorfluter und Gräben abzuleiten. Angesichts klimatischer Veränderungen ist dieser Ansatz überholt. Heute müssen wir Wasser in der Fläche halten, ohne dabei den Hochwasserschutz zu gefährden. Dazu braucht es moderne Regelbauwerke, Drainagesteuerung, dezentrale Speicher sowie angepasste Anbausysteme – maßgeschneidert für jede Region.

Meine Forderung an die Landesregierung

Als CDU-Landtagsabgeordneter fordere ich:

  • Schnelles Vorantreiben von Modellprojekten zur künstlichen Grundwasseranreicherung – mit wissenschaftlicher Begleitung und transparenter Auswertung.
  • Gezielte finanzielle Unterstützung für Regionen wie Nienburg und Diepholz, in denen bereits konkrete Maßnahmen zur Moorentwicklung und Wasserrückhaltung laufen.
  • Eine klare Strategie, wie Niedersachsen mit dem zunehmenden Wassermangel umgehen will – nicht erst 2026, sondern jetzt.
  • Die Zusammenführung von Klimaanpassung, Landwirtschaft und Naturschutz in einem integrierten Wassermanagement.

Fazit: Es ist höchste Zeit zu handeln

Die Entwicklung ist klar erkennbar, die Lösungen liegen auf dem Tisch – jetzt müssen wir sie endlich umsetzen. Der Schutz unserer Grundwasserressourcen ist kein abstraktes Zukunftsthema, sondern eine ganz konkrete Überlebensfrage für Landwirtschaft, Umwelt und Versorgungssicherheit.

Ich werde mich auch weiterhin dafür einsetzen, dass unsere Region gehört wird – und dass wir im Landtag endlich die Weichen für eine zukunftssichere Wasserpolitik stellen.

📝 Mehr zur Kleinen Anfrage und zur Antwort der Landesregierung findest du hier als PDF.

📍 Fragen oder Hinweise zu laufenden Projekten in der Region? Ich freue mich über den Austausch – direkt per E-Mail oder persönlich im Bürgergespräch.

Flurbereinigungsverfahren Sulinger Moor im ersten Jahr nach Abschluss der Baumaßnahmen (Verwallungen und Entkusselung)                                                                               (Foto: ARL Sulingen)

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